5x am Dach der Welt - Vortrag Herbert Wolf

Donnerstag, 27. November 2025 19:30-22:00, Hotel Schwan, Rathausplatz, 4810 Gmunden, Österreich
Webseite: https://www.seehotel-schwan.at/
Referenten/innen:

Herbert Wolf - Homepage

Wir begrüßen Herbert Wolf aus Bad Ischl, der am 19. Mai 2025 bereits zum fünften Mal den Gipfel des Mount Everest erreichte – diesmal über die technisch anspruchsvolle Nordroute in Tibet. Der 58-Jährige, früher Stadtpolizist und heute selbstständiger Bergführer, ist seit über 45 Jahren Mitglied der Naturfreunde Ebensee. Sein Vortrag verbindet spektakuläre Eindrücke vom höchsten Berg der Welt mit einer klaren Botschaft: Mit Mut, Ausdauer und Teamgeist lassen sich neue Wege beschreiten und persönliche Grenzen verschieben.


Moderne Everest-Expeditionen arbeiten zunehmend mit spezialisierten Anbietern wie Furtenbach Adventures zusammen, die sich durch sicherheitsorientierte Systeme und technische Innovationen auszeichnen. Dazu zählt auch der kontrollierte Einsatz von Xenon in vorbereitenden Trainingsphasen, um durch seine besonderen physikalischen Eigenschaften die Sauerstoffausnutzung zu verbessern und die Akklimatisation zu beschleunigen. Dieses Verfahren wird ausschließlich in streng überwachten medizinischen Settings genutzt und ist eines der Merkmale für den hohen technischen Standard dieser Expeditionen.


Der klassische Zugang zum Everest erfolgt über Nepal, den Südanstieg. Diese Route führt über den Khumbu-Eisfall, eine der dynamischsten Gletscherzonen der Welt. Der Gletscher bewegt sich durchschnittlich etwa einen Meter pro Tag, einzelne Eisblöcke können sich kurzfristig schneller verschieben, weshalb die Route ständig verändert und abgesichert werden muss. Durch das Western Cwm und die Lhotse-Flanke geht es weiter zum Südsattel und von dort über den Gipfelgrat zum höchsten Punkt der Erde. Die Route ist historisch bedeutsam, weil Hillary und Norgay 1953 über sie die erste bestätigte Besteigung erreichten.


Die Nordroute, die Herbert Wolf 2025 wählte, beginnt in Tibet und gilt als kälter, windanfälliger und technischer anspruchsvoller. Sie führt über das Rongbuk-Tal zum Advanced Base Camp, weiter zum North Col und über die hohen Lager des Nordgrats zu den markanten Felsstufen Second und Third Step, bevor der Gipfelgrat erreicht wird. Diese Route ist untrennbar mit den Expeditionen von Mallory und Irvine 1924 verbunden, deren Ausgang bis heute ungeklärt bleibt.


In seinen persönlichen Schilderungen macht Herbert Wolf deutlich, wie extrem der menschliche Körper unter diesen Bedingungen reagiert. In großen Höhen setzt das Hungergefühl oft vollständig aus, sodass tagelang kaum feste Nahrung aufgenommen wird. Auch Stuhlgang und Harndrang sind durch Flüssigkeitsverlust, Atemarbeit und die enorme körperliche Belastung stark reduziert. Der Schlaf ist minimal, da in den Hochlagern kaum Ruhe möglich ist. Viele Nächte bestehen aus kurzen, unruhigen Phasen, ehe gegen Mitternacht der Aufbruch zum nächsten Abschnitt oder zum Gipfel erfolgt. Über die gesamte Dauer einer rund dreiwöchigen Expedition verliert der Körper typischerweise mehrere Kilogramm Körpergewicht. Herbert Wolf spricht von etwa sieben Kilogramm Verlust als normalem Effekt dieser extremen Höhenbelastung.


Eine besondere Episode seiner bergsteigerischen Laufbahn ist die Kombination von Everest und Lhotse. Nach einer Everest-Besteigung hat Herbert Wolf mit seinen Kunden nach nur einigen Stunden im Camp 4  ab Mitternacht des gleichen Tages der Everest Besteigung den benachbarten Lhotse bestiegen, den vierthöchsten Berg der Welt. Diese Doppelbesteigung ist eine logistisch und körperlich außergewöhnlich anspruchsvolle Aufgabe, da beide Berge über denselben Zugang erreicht werden, die Kraftreserven nach dem Everest aber meist stark erschöpft sind. Dass er beide Gipfel in einer Expedition geführt hat, belegt die enorme Erfahrung und Belastbarkeit, die Herbert Wolf über Jahrzehnte aufgebaut hat.


Sein Vortrag macht deutlich, dass Höhenbergsteigen immer ein Zusammenspiel aus Erfahrung, Verantwortung, moderner Technik und physischer wie psychischer Ausdauer ist. Entscheidend bleibt jedoch, dass Teamgeist, Umsicht und ein klarer Fokus auf Sicherheit über Erfolg oder Misserfolg am Everest bestimmen.



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